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Reinigende Radikalität und heilende Frömmigkeit des Propheten Elias

Dreifaltigkeitskirche, Deckengemälde: der Prophet Elias, überliefert als 'Der Karmeliten Führer und Vater'.

Nur diese beiden Worte: "Nichts umsonst!"

"Der hl. Elias hat nur diese Worte zu mir gesagt: 'Nichts umsonst!'. Durch diese beiden Worte 'nichts umsonst' bin ich erinnert worden, daß ich in allem meinem Thun und Lassen Alles zur größeren Ehre und Glorie Gottes thun sollte." (Nock S. 609).

 

Maria Anna Josepha a Jesu Lindmayr ist Mitglied vom ursprünglichen 'Orden der seligsten Jungfrau Maria vom Berge Kamel' oder seit dem Reformwerk der Hl. Teresa von Avila: 'Orden der unbeschuhten Karmeliten' OCD (Ordo Carmelitorum Discalceatorum).


Aus dem Tal zog 1668 die Familie Lindmayr mit der damals 11-jährigen Maria Anna in das 'Altomünsterhaus' in der jetzigen Pacellistraße, genau gegenüber der Kirche der Karmeliten. Deren Orden sieht seinen Ursprung am Berg Karmel im Jahr 1155, als den konkreten Zusammenschluss einer tausendjährigen Kette von christlichen Eremiten, also seit der Pfingstpredigt der Apostel Jesu Christi, eine Kette, die aber ihrerseits schon als vorchristliche Tradition auf diesem Karmelberg lebendig war, seit dem Propheten Elias, fast 900 vor Christus. Über diese fast 3000-jährige Brücke einer gelebten Tradition gilt der Prophet Elias selbst bis heute als "Führer und Vater der Karmeliten".


Seit ihrer Kindheit lernte die Lindmayrin durch diese Nachbarschaft zu den Karmeliten deren Hochschätzung für den Propheten Elias. 2 Merkmale dieser Hochschätzung fallen besonders auf:

 

Erstes Merkmal: Elias bietet eine marianische Aussage

Nach jahrelanger Dürre und Hungersnot hat Elias vom Berg Karmel die Schau einer unscheinbaren Wolke – „klein wie eine Menschenhand“ - die aus dem Meer aufsteigt und erkannt darin den rettenden Regen für das verdorrte Land Israel (1Kön.18, 42-45). Die alte Präfation des Skapulierfestes der Karmeliten vom 16. Juli versteht diese Schau als Hinweis auf Maria, die die Mutter des Messias wird und so die Unfruchtbarkeit der Erde beendet.

Die Tiefe dieses Glaubens baut auf die früheste Offenbarung beim Sündenfall, die dem Glaubenden aufleuchtet im Urteil Gottes über Schlange, Adam und Eva: in diesem Urteil offenbart der Schöpfer die rettende Feindschaft zwischen Schlange und Frau (Gen. 3,15. Unser Heil liegt beschlossen im Ostersieg von Jesus Christus - dem ‚Nachkomme der Frau‘ - über Sünde und Tod). Jeder Aschermittwoch beklagt die Tragödie der zahllosen Generationen, die vom Staub gekommen zum Staub zurückkehren – eine unfruchtbare, unentrinnbare tödliche Dürre der gesamten Menschheit (Gen. 3,19). Aber da war ja schon des Schöpfers rätselhafter Verweis auf ‚die Frau in Feindschaft zur Schlange‘. Für die Eremiten am Berg Karmel wurde der Blick des Elias auf ‚die handgroße Wolke’ über dem Meer hinter Haifa zur geistlichen Neuorientierung: Jesus Christus als Sohn Marias ‚beendet‘ mit Ostern den Aschermittwoch und öffnet allen Glaubenden eine neue Fruchtbarkeit.

Maria Anna Lindmayr sieht sich mit ihrer ganzen Person hineingenommen in die Verehrung für Maria, die der Orden der Karmeliten die 'Königin und Zierde des Karmel' nennt und durch deren Hilfe er über Jahrhunderte tragischer Verfolgung hinweg Jesus Christus mit einzigartigem Opfergeist bezeugt hat: "Es wurde mir die große Glückseligkeit zu erkennen gegeben, an dem Fest 'Mariae de mercede' geboren zu sein, als dem Titularfest des Ordens, welcher für die Erlösung der Gefangenen gestiftet worden war. Ich sollte mich auch Gott als eine Gefangene aufopfern für die Kirche, für die Bekehrung der Ungläubigen und Sünder, besonders für die Befreiung der Armen Seelen" (Bonifatius Günther OCD S. 74) (Franz Joseph Nock OSB S.1) (Lk. 4,18-19 und Lk. 9,30-31)

Zweites Merkmal: Dem Elias gelingt die Verbindung von reinigender Radikalität und heilender Frömmigkeit

Sein leidenschaftlicher Eifer für Gott muss demütig klein werden im Dienst an den Menschen (1Kön. 19,16 und Sir.48,9-10 und Mal. 3,23-24). Vor Gott zählt die Demut; das Kleine ist niemals wertlos, umsonst.

Bei jeder Begegnung mit der Lindmayrin, ob als junges Mädchen mit 15, als Terziarin mit 35 oder erst in der Klausur des Münchener Karmel mit 55 Jahren, spüren wir, was am 17. Juli 1704 die 3 Münchener Stände zum gemeinsamen Gelübde bewegte: wir spüren den überbrückenden Geist des Propheten Elias im Bild seiner feurigen, aber himmelwärts gezügelten Rosse (2 Kön. 2,11). Von diesem Geist heißt es bei Jesus Sirach: 'Wie ehrfurchtgebietend warst du, Elija... du stehst bereit für die Endzeit, den Zorn zu beschwichtigen, bevor er entbrennt [...]' (Sir. 48,9-11), und beim letzten Propheten Maleachi: 'Bevor aber der Tag des Herrn kommt, der große und furchtbare Tag, seht, da sende ich zu euch den Propheten Elija. Er wird das Herz der Väter wieder den Söhnen zuwenden, und das Herz der Söhne ihren Vätern, damit ich nicht kommen und das Land dem Untergang weihen muss.' (Mal. 3,23-24).

"Nichts umsonst" hatte der Prophet Elias der Lindmayrin ans Herz gelegt. Nichts ist umsonst in ihrem Leben:
- obwohl hineingeboren in die beklemmenden Schranken für die Frauen ihrer Zeit;
- obwohl ausgeliefert einem endlosen Ringen um die Armen Seelen in einer sich dem Diesseits zuwendenden Welt;
- obwohl seelisch zerrissen durch den blutigen Zwist zwischen den christlichen Mächten Bayern und Österreich.

Der Lindmayr-Freundeskreis darf also mit ehrfürchtiger Erwartung auf diese Karmelitin und Mit-Prophetin des Elias schauen, soll von ihr überall erzählen und ihre heilsame Kraft den Mitmenschen zukommen lassen. Kein Opfer wird da 'umsonst' bleiben, da es mit der Lindmayrin 'zur größeren Ehre und Glorie Gottes' gebracht ist.