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Die Familie Lindmayr in München um 1657

Die Lindmayr waren katholisch bekennende Christen. Franz Lindmayr war Kammerdiener des Herzogs Maximilian Philipp, der eine bewusst bescheidene und fromme Regentschaft führte. Dass es aber in auffallendem Gegensatz dazu auch die verschwenderische Pracht absolutistischer Herrscher wie beim 'Sonnenkönig' Ludwig XIV. gab, war den Eltern Lindmayr und ihren Kindern bekannt. Nach 1680 bringt der 'Blaue Kurfürst' Max Emmanuel diesen Regierungsstil auf schmerzlich greifbare Weise nach Bayern, besonders als er sich als siegreicher Feldherr an der Seite des Habsburger Kaisers Leopold I. profilieren konnte. Aus der Liturgie und der biblischen Geschichte (z.B. Kirchenmalerei) kannte man den Wechsel von Glanz und Verfall der weltlichen Macht, aber auch das Versagen religiöser Persönlichkeiten. Es war auch klar, dass man für die Regierenden und die unterschiedlichsten irdischen Dinge beten musste. Dafür hatte über viele Jahrhunderte der Himmel des bayrischen Brauchtums eine große Schar Engel und Heilige zur Verfügung gestellt. Wallfahrtsorte bezeugten zahllose Erfahrungen von Hilfe für Leib und Seele. Mutter Maria Eva Lindmayr vermittelte den Kindern ein festes Vertrauen in Unsere Liebe Frau von Altötting. Alter, Krankheit und Tod nahmen gewöhnlich die ganze Familie in Anspruch; die Verstorbenen blieben Mitglied der Kirche; wegen ungeregelt gebliebener irdischer Angelegenheiten waren sie Arme Seelen, denen man solidarisch Beistand durch Gebet und Opfer schuldete. Natürlich gab es in dieser bayrischen Frömmigkeit persönliche Unterschiede; aber im Haus der Lindmayr war man sich einig in der Hochschätzung dieses ganz religiös geprägten Erbes.

München im politischen Kräftespiel nach 1657

Kaiser Leopold I. (1640-1705) im Harnisch mit Feldherrnstab, Kniestück

Die Friedenspolitik des bayrischen Herzogs Maximilian Philipp endete 1680. Denn mit dem 'Blauen Kurfürsten' Max Emmanuel waren die Wittelsbacher dem Habsburger Kaiserhaus ein unentbehrlicher militärischer Helfer geworden, und zwar 1683 gegen die Türken in der Schlacht um Wien mit weiteren beachtlichen Siegen bis Belgrad, und 1688 gegen die Franzosen in der Rheinpfalz, bis zu einem Waffenstillstand 1697. Die Kriege alleine gegen die Türken hatten Bayern 30.000 Tote gekostet. Und die Staatsfinanzen waren aufgebraucht!1685 gab Kaiser Leopold I. aus Dankbarkeit dem Kurfürsten Max Emmanuel seine Tochter Maria Antonia zur Frau, denen 1692 Prinz Joseph Ferdinand entstammte.

Inzwischen war in Spanien der kinderlose König Carl II. mit den reichen Kolonien Asien und Amerika auf der Suche nach einem einzigen aber passenden Erben. Die europäischen Herrscherhäuser wie Österreich, Frankreich, England und Niederlande wollten mitbestimmen und das Erbe nicht in eine einzige Hand geraten lassen, sondern unter sich aufteilen, um so die Idee eines ‚europäischen Gleichgewichtes‘ durchsetzen. Diesen Plan durchkreuzte Carl II. und bestimmte 1698 unerwartet den Sohn des ‚Blauen Kurfürsten von Bayern - den erst 6-jährigen Wittelsbacher Joseph Ferdinand zum Gesamterben! Dieser starb jedoch überraschend 1699, womit das Tauziehen um das 'spanische Erbe' verschärft auflebte.

Der enttäuschte 'Blaue Kurfürst' sagte sich von Habsburg los und suchte günstigere Verbündete. Ab 1701 stand er - mit einem vorsichtig zögernden Frankreich - praktisch allein gegen den Kaiser und die verbündeten anderen Mächte in einer tragischen Kette von Kämpfen bis 1714, die als 'Spanischer Erbfolgekrieg' zusammengefasst werden und hauptsächlichst zu Lasten Bayerns endeten. Maria Anna Lindmayr durchlebte diese Zeit 'mitten im zahlenden und blutenden Volk'. In Entsprechung mit ihren Visionen übte sie scharfe Kritik am unchristlichen Verhalten der christlichen Politiker. Ihr Alltag als Mitglied des 3. Ordens aber blieb stets geprägt vom Geist des Karmel: nämlich beharrliches Gebet und stellvertretende Sühne, mit denen die Menschen einem ehrlichen Frieden erst den Weg bereiten müssen.

Damit erreichte sie 1704 das Gelübde der 3 Münchener Stände, aber auch 1714 die erste Heilige Messe in der Dreifaltigkeitskirche zusammen mit dem Einzug der Karmelitinnen in ihr neues Kloster.

An der Schwelle zum 3. Jahrtausend sucht der Lindmayr-Freundeskreis Menschen zu vereinen, die an der Hand ihrer Münchenerin lernen wollen, "Gott im Herzen und Gott vor Augen" zu haben.

Ein Blick über 20 christliche Jahrhunderte im Erzbistum München und Freising

Von Maria, der Schutzfrau Bayerns, bis zum Pater Rupert Mayer unserer Tage erhalten wir ein konkret gelebtes Zeugnis dafür, dass Jesus Christus bei uns ist, alle Tage. In ihnen ist er wirklich da, als eine im Einzelnen verborgene Kraft, die aber auch die menschliche Gemeinschaft sichtbar prägt, was man kurz so formulieren kann: "Gott im Herzen und Gott vor Augen".

Die Macht, von der Jesus Christus durch den Evangelisten Matthäus spricht, ist seine Macht zu heilen und heilig zu machen. Diese Macht ist die Gnade vom Himmel, in der er bei uns bleibt alle Tage bis zum Ende der Welt. Der Jubiläumsband 'Ihr Freunde Gottes allzugleich - Heilige und Selige im Erzbistum München und Freising' erschien 2003 zum 75. Geburtstag unseres Kardinals Friedrich Wetter, um zu zeigen, wie die Gnadenmacht Jesu Christi inmitten von bedauerlichen Entwicklungen dennoch vielerlei gute Frucht gebracht hat.

Der in 2003 schon todkranke Prälat Ernst Blöckl, Dekan des Metropolitankapitels München, schreibt im Geleitwort zum Jubiläumsgeschenk:

"In den Heiligen wird sichtbar, was Christsein ist: Christusbegegnung und Christusnachfolge. Davon gibt es keine Dispens. Heiligkeit ist von jedem Christen gefordert."

Viele Jahrhunderte lang haben sich Menschen auf diesem Gebiet des Erzbistums München in ihren kleinen und großen täglichen Aufgaben der Forderung nach einem heiligmäßigen Leben ehrlich gestellt.

Mutig dem Glauben Zukunft geben mit Maria Anna Lindmayr

Der Lindmayr-Freundeskreis will hervorheben, dass die Lindmayrin in dieser Dreifaltigkeitskirche bewusst einen von Gott bestimmten Gnadenquell mit doppelter Wirksamkeit erkennt:


1) Als Erstes kommt da die dringende Befreiung der Münchener gleich 1704 aus der damaligen Not des Spanischen Erbfolgekrieges.
2) Aber Jesus Christus verheißt seine helfende Gegenwart ohne zeitliche oder räumliche Fixierung auf 1704. Der Lindmayr-Freundeskreis will diese Verheißung in ihrer Weite darstellen und möglichst vielen Menschen zugänglich machen, dass sie mit der Lindmayrin 'Jesus Christus begegnen und Jesus Christus nachfolgen' hinein ins 21. Jahrhundert. Das Motto unseres Kardinals Wetter ‚Gott im Herzen und Gott vor Augen' (mehr ‚Ihr Freunde Gottes allzugleich...' S. 17-21) zur Seligsprechung von P. Rupert Mayer 1987 wird durch die Karmelitin Lindmayr in uns lebendige Gestalt annehmen.

Sollen wir also auch noch Maria Anna Josepha a Jesu Lindmayr trotz der bereits vielen anderen Helfer aus 20 Jahrhunderten nun beachten?

Für viele Menschen entwickeln sich mit diesem 3. Jahrtausend die Möglichkeiten, aber auch die Gefahren für unsere Welt so buchstäblich atemberaubend, dass sie die Zusage Jesu, ‚bei uns zu sein bis zum Ende der Welt' verdrängen oder als irrelevant oder utopisch abtun. Im Lindmayr-Freundeskreis sehen wir aber das Zeugnis der Heiligen und Seligen für den immer gegenwärtigen Jesus Christus als ermutigend besonders bei den Problemen, die auf uns zukommen.

In München wollen wir aber ganz besonders auf die Lindmayrin achten, denn:

1- Sie ist gebürtige Münchenerin. Und dieses München schenkt uns mit seiner 'Lindmayrin' eine Person, die mit ihrer karmelitischen Spiritualität heute überraschend zeitgemäß wirkt und zuverlässig weiterweist. Am 24. September 1657 im Tal geboren und noch am gleichen Tag als Maria Anna im 'Alten Peter' getauft, war sie um 1700 eine bekannte und geschätzte Prophetin und Beraterin in der Stadt. Beim Ausbruch des Spanischen Erbfolgekrieges 1704 war ihr Ansehen in der Erzdiözese und den Herrscherhäusern der Wittelsbacher und Habsburger so gefestigt, dass die drei Stände Bürger, Adel und Klerus ihrer Vision folgten und den Bau der Münchener Dreifaltigkeitskirche gelobten und sie auch bauten.

2- Diese Dreifaltigkeitskirche ist noch im Original da; sie ist trotz vieler politischer Wirren und massiver Bombenangriffe noch mit uns. Sie war aus zeitbedingter Not entstanden, die spannend dargestellt ist in dem 2004 erschienen Jubiläumsband

'Die Stadt läg in dem Grund, wan dise Kirch nit stund -
Maria Anna Lindmayr, die Dreifaltigkeitskirche und das Karmelitinnenkloster in München'.

Das Buch ist dokumentiert durch das Archiv des Erzbistums München und Freising, graphisch gestaltet durch das Atelier Klinger und Schug, und erschienen im Sankt Michaelsbund München. Die Dreifaltigkeitskirche ist aber zudem nach Angabe ihrer Stifterin selbst eine Quelle besonderer Gnade für die Menschen kommender Zeiten, um durch diese tiefer hineinzugelangen in das rettende Geheimnis der heiligsten Dreifaltigkeit. Ermutigend ist dabei das lebhafte Echo auf die Jubiläumsausstellung 2004, an deren Höhepunkt Kardinal Wetter erklärte: "Diese Botschaft, uns durch Maria Anna Josepha Lindmayr vor 300 Jahren übermittelt, gilt auch heute. Und sie wird auch in der Zukunft gelten." (Predigt, 16.07.2004).